Buchvorstellung „Kann Kirche Demokratie?“ von Arnd Henze

Christuskirche frontal

„Es gibt wohl keinen schlechteren Termin für eine Buchvorstellung als einen Mittwochabend im Advent“, begrüßte Pfarrer Ulrich Kock-Blunk 20 neugierige Menschen und den Autor Arnd Henze im Gemeindesaal der Christuskirche. Einige Gedanken aus der Buchvorstellung habe ich zusammengefasst.

Arnd Henze ist Theologe und Journalist und hat lange Jahre mit dem „Dellbrücker Forum“ an der Christuskirche in einer „Werkstatt der Demokratie“ lebendige Diskussionen angeregt und moderiert. Mit seinem Buch möchte er die Kirche ermutigen, nicht nur nach innen zu schauen, und Menschen befähigen, bei der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken. Dies sei heute besonders nötig, um der Vielzahl der Populisten Vernunft entgegenzusetzen. In Deutschland gibt es ca. 100.000 ehrenamtliche Politiker*innen, ohne die die Demokratie nicht leben kann. Wenn diese Politiker*innen ihr Amt aufgeben, weil sie massiv beleidigt, angegriffen oder gar bedroht werden, entgleitet uns nach und nach die Basis für die Demokratie.

Große Teile der Kirche, Arnd Henze beschränkt sich in der Darstellung auf die evangelische Kirche, hatten in den frühen Jahren der Bundesrepublik massive Vorbehalte gegen den Staat und auch ehemalige Nazis in Ämtern geschützt. Das ist heute nicht mehr so, aber Untersuchungen zeigen, dass konservative Gemeindemitglieder statistisch häufiger als der Durchschnitt der Deutschen massive Vorurteile oder Berührungsängste haben, beispielsweise nur Menschen mit deutschen Vorfahren als echte Deutsche betrachten.

Gerade die Angst vor Fremden wird von Populisten wie der AfD massiv geschürt, obwohl viele der gesellschaftlichen Probleme nicht von der Flüchtlingskrise 2015, sondern von der Bankenkrise 2008 hervorgerufen wurden. Selbst Behörden unterstützen die Vorurteile gegen geflüchtete Menschen, wenn sie den akuten Lehrermangel mit Förderunterricht für geflüchtete Kinder statt mit falschen Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung begründen.

Veränderung verunsichert Menschen und ruft Ängste hervor, was die eigene Zukunft angeht. Und natürlich ist eine Erzählung des Scheiterns bestens geeignet, neue Ängste und Panikreaktionen hervorzurufen. Aber wenn es Probleme gibt, kommt es darauf an, sie zu lösen, und das, indem man miteinander streitet und um die Lösung ringt. Dass dies gelingen kann, beweist die Diskussion um die neue Siedlung am Mielenforst, wo eine Einigung über die Führung der Buslinie über das Dellbrücker Forum gefunden wurde.

Genau für solche Erfolge hat Arnd Henze eine Empfehlung: „Tue Gutes und rede darüber.“ Das Willkommen für die Flüchtlinge 2015 in Deutschland war real, und in vielen Gemeinden bzw. Kommunen gab es konkrete Erfolge der lokalen Arbeit. Wer solche Erfolge berichtet, lässt keinen Raum für die Behauptungen der Populisten.

Hartmut Leyendecker

Verlag Herder – 1. Auflage 2019 – gebunden mit Schutzumschlag
176 Seiten – ISBN: 978-3-451-37979-6