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Konzert „Wölfli-Messe“ – Pauluskirche

20. November 2022 @ 18:00

Zur Uraufführung der „Wölfli-Messe“ durch die Pauluskantorei im November 2022

Zum dritten Mal führt die Pauluskantorei ein von Thomas Becker neu komponiertes Werk auf. Es ist während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2021 entstanden und den an und mit diesem Covid19-Virus Verstorbenen gewidmet. Die Textgrundlage, die wieder zusammen mit Gerta Klaßen erstellt wurde, ist das Werk „Von der Wiege bis zum Graab“ von Adolf Wölfli. Mit Adolf Wölfli hatte sich Thomas Becker bereits 1987 beschäftigt, als er sein Werk „Merheim“ komponierte und 1988 an der Kölner
Musikhochschule als künstlerischen Abschluß uraufführte. Teile aus Wölflis über 1000 Seiten umfassenden Werk wurden in Bezug zu den üblichen Stücken der lateinischen Messe gestellt. Manchmal sind es nur einzelne Worte, durch die ein Zusammenhang ersichtlich wird, manchmal mehr.
Wölfli wurde 1864 geboren, sein Vater war Alkoholiker und verließ früh die Familie, seine Mutter starb als er 13 Jahre alt war. Als Halbwaise wurde er dann ein sogenannter ‚Verdingbub‘ (Knecht) und sehr schlecht behandelt. Nach versuchten Vergewaltigungen kam er ins Zuchthaus und mit 33 Jahren 1895 in die psychiatrische Klinik Waldau in der Schweiz. Dort isolierte er sich zunehmend selbst und schrieb
und zeichnete. Er lebte dort bis zu seinem Tod 1930.
Sein Werk umfaßt 1460 Zeichnungen, etwa 1560 Collagen und 25.000 zu Heften gebundene Seiten mit Erzählungen, Gedichten und so genannten Musikkompositionen. In Wölflis Werk finden sich immer wieder religiöse Bezüge. Stücke aus Gebeten, Anrufungen von Heiligen. Nicht ohne Grund hat er das Werk „Von der Wiege bis zum Graab“ genannt, denn seine Intention war es wohl eine Art persönliche Bibel zu schreiben. Es vermischen sich biblische Erinnerungsbruchstücke, persönliches Erleben
und biographische Fantasien. In den Texten sind Brüche. Gott und Burgunderwein, das Liebchen und der Heilige Geist, gebratene Mäuse und Gottvatter stehen nebeneinander. Manches wirkt naiv oder archaisch, anderes melancholisch, wieder anderes verwirrt, aber in all dem findet sich ein starker poetischer Ausdruck.
Um das Werk kümmert sich heute die in Bern ansässige Adolf-Wölfli-Stiftung.
Die Musik zur „Wölfli-Messe“, die für Solo-Sopran, Chor und Klavier komponiert ist, dauert etwa 50 Minuten. Das Werk orientiert sich an den für die Messe typischen Sätzen: Kyrie eleison, Christe eleison, Gloria, Credo, Benedictus, Agnus Dei.
Thomas Becker ging es in der Mess-Komposition wesentlich um eine leichte Fassbarkeit sowohl für die Ausführenden als auch für die Hörenden. Den poetischen Texten Wölflis sollte eine ebenso berührende Klanglichkeit entsprechen.
Die Uraufführung der Messe findet am Sonntag, 13.11.2022 um 18 Uhr in der Martin-Luther-Kirche in Köln-Porz (Sportplatzstraße 63-65, 51147 Köln) statt und wird ihre Erstaufführung in Dellbrück am Sonntag, 20.11.2022 um 18 Uhr in der Pauluskirche erleben.
Die Ausführenden: Kristi Vrooman (Sopran), die Pauluskantorei und Sigrid Sachse (Klavier) unter der Leitung von Thomas Becker.

Pauluskirche

Thurner Straße 105
Köln, 51069 Deutschland