Wie steht es um die Ökumene?

Ökumenischer Gesprächsabend: Eucharistische Gastfreundschaft, Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Möglichkeiten und Grenzen

Gut 20 Interessierte waren am 26. November der Einladung des AK Ökumene  zum Gespräch gefolgt. Hans Gasper, ehemaliger Geschäftsführer der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz Bonn und Mitglied der Ökumenischen Bistumskommission Köln, referierte im Pfarrzentrum St. Mariä Himmelfahrt ausführlich über die Entwicklung und den aktuellen Stand der Ökumene aus Sicht der katholischen Kirche. 

Ermutigende Ereignisse wie das II. Vatikanische Konzil oder der Ökumenische Arbeitskreis von Theologen (→ Jaeger-Stählin-Kreis) konnten die Trennung am Tisch des Herrn nicht überwinden. Die Diskussion um das Verständnis von „Amt“ (die unmittelbare pastorale und bischöfliche Nachfolge Christi, wie sie die katholische Kirche als Eigenschaft von Kirche fordert) oder „Dienst“ (evangelisch) der Pfarrer verhindert die Einheit der Kirchen.

Die Eucharistie als zentrales Element der Meßfeier stehe Nichtkatholiken daher nur in besonderen, „schweren Notlagen“ offen. Die Interpretation, was eine solche Notlage ist, hat sich in den letzten Jahrzehnten gelockert, und Papst Franziskus sieht die Verantwortung der Kirche darin, „das Gewissen der Gläubigen zu bilden, aber nicht zu ersetzen“. Eine Mehrheit der deutschen Bischöfe hat sich in der Orientierungshilfe „Mit Christus gehen“ für die Gewissensentscheidung des/der Einzelnen eingesetzt, aber der Kölner Erzbischof verweigert dazu seine Zustimmung. 

Eine generelle Lösung für die Mahlgemeinschaft könne es schon wegen der komplexen Verhältnisse der verschiedenen Kirchen (Katholiken, Orthodoxe, Lutheraner, Reformierte, …) nicht geben. Und auch zwischen den verschiedenen protestantischen Richtungen gibt es nicht immer Lösungen.

Während und nach dem Vortrag gab es Gelegenheit zur Diskussion, die wesentlich die Enttäuschung der Anwesenden über die immer noch nicht erreichte Einheit spiegelte. Die Frage, ob Kirche mittelfristig ihre Bedeutung aufrecht erhalten könne, stand unüberhörbar im Raum.

Wie steht es um die Ökumene? Ein Kommentar

Hans Gasper, dem die Ökumene am Herzen liegt, war der Überbringer schlechter, aber bereits bekannter Nachrichten. Mir als Naturwissenschaftler fehlt schlicht das Verständnis dafür, wie Theologen auch heute noch ihre Überzeugung zur allein verbindlichen Wahrheit erheben können, deren Anerkennung für gläubige Menschen Voraussetzung zur Teilnahme an zentralen Elementen des Gottesdienstes ist. Ich kann auch nicht erklären, ob Licht eine Welle oder ein Teilchenstrahl ist, aber ich kann es sehen und genießen.

So wie mein linkes und rechtes Auge verschiedenes Farbempfinden haben, ist der Glaube der Menschen nicht über einen Kamm zu scheren. Was mir persönlich Abendmahl und Eucharistie bedeuten, kann ich nicht in Worte fassen, die für eine Beschreibung ausreichend wären. Wie soll ein Dritter (eine Dritte darf es ja immer noch nicht!) entscheiden, ob ich den „rechten“ Glauben für die Teilnahme habe, mal abgesehen von den weiteren formalen Voraussetzungen? Im „Einzelfall“ geht es dann doch, aber fühle ich mich dabei wohl oder plagt mich doch ein schlechtes Gewissen?

Wenn Menschen in einer konfessionsverbindenden Ehe streng genommen jeweils die eigene Kirche besuchen sollen, werden sie das dann regelmäßig tun? Nein, sagt mir meine persönliche Erfahrung. Wenn das Realität bleibt, löst sich das Problem auf eine Weise, die ich nicht will, und die mit Sicherheit auch die Kirchenleitungen nicht wollen: wegen mangelnder Nachfrage geschlossen.

Hartmut Leyendecker