# Wir schicken ein Schiff

Kiel, am 20. Februar 2020
Ein nasskalter Tag, vereinzelt Nieselregen. Im Hafen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung hat sich eine überschaubare Schar von Gästen eingefunden, um an der Taufe des Seenot-Rettungsschiffs „Sea-Watch 4“ teilzunehmen.

Die Vorgeschichte
Dortmund, im Juni 2019. Eine Gruppe von Kirchentagsbesu­chern – darunter Joachim Lenz (designierter Propst von Jerusa­lem) und Sven Giegold (Abgeordneter der Grünen im Europäi­schen Parlament) – ergreift die Initiative zum Erwerb eines Schiffes mit dem Ziel, die Seenotrettung im Mittelmeer zu unter­stützen. Dass es sich dabei um einen Akt christlicher Nächsten­liebe handelt, macht Sandra Bils (Pastorin in Hannover) im Ab­schlussgottesdienst des Kirchentages mit einem prägnanten Satz klar: „Man lässt keine Menschen ertrinken! Punkt!“.
Um das Vorhaben in die Tat umzusetzen, wird im Dezember 2019 das Bündnis „United4Rescue“ gegründet, das innerhalb kurzer Zeit so viele Spenden einsammelt, dass bereits Ende Ja­nuar 2020 ein Schiff für rund 1,5 Millionen € ersteigert werden kann: die „Poseidon“, ehemals Forschungsschiff des GEOMAR-Forschungszentrums.

Und nun also: Schiffstaufe
Heinrich Bedford-Strohm (Bayerischer Landesbischof und Rats­vorsitzender der EKD) dankt zunächst allen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. Sie haben Anteil daran, dass am Ende des Satzes „Man lässt keine Menschen ertrinken“ von nun an nicht mehr ein „Punkt“ stehe sondern ein „Ausrufezei­chen“.

Für die Taufe selbst konnte Aminata Touré (mit Mikrofon) gewonnen werden, Abgeordnete der Grünen und Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages. In ihrer Ansprache hebt sie die Be­deutung des christlichen und zivilgesellschaftlichen Engage­ments hervor, insbesondere unter dem Eindruck des rechtsextremistischen Anschlags von Hanau wenige Stunden zuvor.

Thies Gundlach (mit Mikrofon), Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD und Vorsitzender des Vereins „Gemeinsam Retten“, der als Träger für die Initiative „United4Rescue“ fungiert, blickt auf Aminata Touré, die nach alter Tradition eine Flasche Sekt am Bug des Schiffes zerschlägt. Ein Foto hierzu findet sich im Internet unter folgendem Link: https://www.shz.de/regionales/kiel/fluechtlingsschiff-sea-watch-4-in-kiel-getauft-erster-einsatz-im-april-id27444547.html

Blick ins Innere des Schiffes (im Uhrzeigersinn von links):
Flur mit Türen zu den Kabinen – Krankenstation – Kommandobrücke – Küchenutensilien

Am Montag, den 24. Februar 2020, wird die Sea-Watch 4 Richtung Spanien aufbrechen, wo das Schiff noch einige Umbauten erfährt. Und wenn es keine unvorhergesehenen Zwischenfälle gibt, kann die Sea-Watch 4 bereits zu Ostern ihren Einsatz im Mittelmeer beginnen.

Text und Fotos: Jörg Kämmerer